Der wahnsinnig populäre Raspberry Pi ist ein Einplatinencomputer und hat so manch einen zum Experimentieren mit Computern und zum Erlernen des Programmierens gebracht. Das ist kein Wunder, denn dieser kleine Computer ist äußerst vielseitig und zudem bezahlbar. Leider ist die Leiterplatte auch empfindlich, und dies macht das Experimentieren ab und zu etwas lästig. Ihr Raspberry Pi verdient ein solides Gehäuse, und deshalb zeigen wir Ihnen in diesem Blog, wie Sie von Acrylglas ein Raspberry Pi Gehäuse selber bauen können. Eine Stunde heimwerkeln, und Sie haben einen schönen Halter für die Hauptplatine mit gut erreichbaren Anschlüssen und einer eleganten Hightech – Ausstrahlung.

Welche Materialien brauchen Sie?

Wenn Sie einen Raspberry Pi Case selber bauen wollen, brauchen Sie das folgende Grundmaterial: Eine Platte aus gegossenem Acrylglas von 6 mm dick, 200 mm breit und 150 mm lang. Es ist wichtig, um anstelle von extrudiertem, gegossenes Acrylglas auszuwählen. Extrudiertes Acrylglas kann während der Bearbeitung nämlich brechen. Das Gehäuse wird aneinander geschraubt mit 4 x M4 Schrauben von 35 mm lang sowie 4 x M4 Muttern und 4 – 8 x M4 Unterlegscheiben. Am Schönsten ist es, Senkschrauben zu verwenden. Ferner benötigen Sie ein Stück Aluminium Rohr, 8 mm im Durchmesser, für die Distanzbüchsen; eine Länge von 30 cm genügt, aber die meisten Baumärkte verkaufen diese Aluminium Rohre pro Meter. An die Unterseite des Gehäuses kommen 4 Gummi- / Silikon- Kappen, die als Füßchen dienen, zum Beispiel von Tesa Protect.

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Welche Werkzeuge brauchen Sie?

Ein Lineal, einen Winkel, einen Schraubstock, einen Feinschreiber zum Abzeichnen, eine Rolle Malerklebeband, eine Bohrmaschine (vorzugsweise eine Ständerbohrmaschine), eine Säge (vorzugsweise eine Bandsäge), einen HSS Bohrer 5 mm, einen Senkbohrer (Spitzsenker), Schleifpapier Körnung 150, eine Schlichtfeile (feine Metallfeile), Acrifix® Acrylglas – Klebstoff, Gummi- oder Kunststoffhandschuhe und eventuell einen Propanbrenner (keinen Butanbrenner).

1. Schritt: Abzeichnen und sägen

Das Gehäuse besteht aus sechs Teilen: Die Vorderseite und die Rückseite, die je 100 x 75 mm groß sind; zwei Positionierblöcke von 8 x 30 mm, ein Blöckchen von 8 x 15 mm und ein Blöckchen von 8 x 10 mm. Dies zeichnen Sie wie folgt auf die Schutzfolie der Acrylglas Platte ab (Während des Sägens und Bohrens dürfen Sie die Schutzfolie an beiden Seiten nicht entfernen!).

Anschließend sägen Sie die Teile aus. Wenn Sie eine Bandsäge verwenden, dann dürfen Sie die Sägegeschwindigkeit des Sägeblatts nicht zu hoch einstellen, sonst kann das Material schmelzen. Sägen Sie langsam, und führen Sie das Material ruhig durch die Säge. Selbstverständlich probieren Sie, so gerade wie möglich zu sägen! Nach dem Sägen schleifen Sie die rauen Ränder glatt mit Schmirgelpapier.

2. Schritt: Löcher abzeichnen und bohren

In die Ecken der Vorder- und Rückseite werden Löcher gebohrt. Diese Arbeit erfordert größte Genauigkeit, aber mit der richtigen Vorbereitung sind Sie schon ein gutes Stück auf dem richtigen Weg. “Gut begonnen ist halb gewonnen!“ In diesem Sinne kleben Sie zuerst einen Streifen Malerklebeband entlang der Ränder an beiden Seiten der Plättchen (Vorder- und Rückseite). Das verhindert ein Weglaufen des Bohrers und das Einreißen des Bohrlochs. Auf das Malerklebeband zeichnen Sie die Bohrlöcher ab; diese kommen auf 5 mm von beiden Rändern entfernt.

Nachdem Sie auf beide Plättchen in allen Ecken die Löcher abgezeichnet haben, können Sie die Löcher bohren. Sorgen Sie dafür, dass während des Bohrens eine Holzunterlage unter dem Acrylglas liegt, worin der Bohrer eindringen kann, damit die Platte an der Unterseite nicht ausbricht. Mit einem HSS Bohrer, 5 mm bohren Sie alle Löcher in die Plättchen.

Wenn Sie einen Senkbohrer zur Verfügung haben, dann können Sie die Bohrlöcher versenken und Senkschrauben verwenden. Die Schraubenköpfe liegen dann schön oberflächenbündig.

3. Schritt: Ecken und Ränder verarbeiten

Wir erstreben einen glatten Look, und deshalb müssen die Ecken schön abgerundet werden. Dies erreichen Sie mit einer Metallfeile. Verwenden Sie hierfür eine feine Feile, eine sogenannte Schlichtfeile. Feilen Sie alle Ecken schön rund, und anschließend schleifen Sie die Feil- und Sägespuren so glatt wie möglich mit Schmirgelpapier. Wenn Sie exakt arbeiten wollen, ist es sehr empfehlenswert, die Plättchen in einen Schraubstock einzuklemmen. Um zu verhindern, dass die Plättchen beschädigen, wickeln Sie sie zuerst in ein Tuch.

4. Schritt: Ränder flammpolieren

Dieser Schritt ist optional. Wenn Sie keinen Propanbrenner haben, können Sie diesen Schritt auch überspringen. Durch das Schleifen der Ecken und Ränder werden diese matt. Durch das Flammpolieren der Ränder werden diese wieder ganz glatt und transparent. Das Flammpolieren ist ein relativ einfacher Prozess, aber es erfordert ein bisschen Übung. Üben Sie deshalb zuerst ein wenig mit einem Stück Restmaterial. Vergessen Sie nicht, vor dem Flammpolieren die Schutzfolie an der Platte zu entfernen!

Zünden Sie den Brenner an, und stellen Sie ihn so ein, dass eine stabile und nicht allzu große Flamme entsteht. Die Größe der Flamme sollte übereinstimmen mit der Größe einer Bleistiftspitze. Beim Flammpolieren darf der Kegel der Flamme (der hell aufleuchtende Kern) den Rand der Acrylglas Platte nicht berühren. Richten Sie die Flamme gegen den Rand, und bewegen Sie die Flamme zügig entlang des Randes (auf keinen Fall zu langsam). Durch die Wärme wird die Acrylglas Platte leicht schmelzen und zu einer glasklaren Oberfläche zufließen.

5. Schritt: Distanzbüchsen sägen

Jetzt kommt die wahre Feinarbeit: das Sägen der Distanzbüchsen. Aus dem Aluminium Rohr sägen Sie 4 Distanzbüchsen von 20 mm lang. Unser Tipp: Zeichnen Sie die Sägelinie rundherum auf Malerklebeband ab. Anschließend klemmen Sie das Rohr (nicht allzu fest) in den Schraubstock und sägen die vier Distanzbüchsen ab. Sägen Sie so rechtwinklig wie möglich! Nach dem Sägen entfernen Sie das Malerklebeband, und feilen oder schleifen Sie die Sägekante schön glatt.

6. Schritt: Positionierblöcke befestigen und verkleben

Die Hauptplatine des Raspberry Pi wird zwischen den Positionierblöcken eingeklemmt. Das sind die vier Blöckchen, die Sie vorher ausgesägt haben. Diese haben Sie aus dem Rand der Platte gesägt. Das bedeutet, dass eine Seite aller vier Positionierblöcke schön glatt ist (der Rand der ursprünglichen Acrylglas Platte). Diese schön glatten Seiten der Positionierblöcke werden an die unterste Platte geklebt.

Aber wo kommen die Positionierblöcke hin? Dies ist abhängig von der Raspberry Version, die Sie haben. Bei all den verschiedenen Varianten befinden sich die Anschlüsse, USB- und Kartenschlösser an verschiedenen Stellen. Bei diesem Schritt müssen Sie selber entscheiden, wo die richtige Stelle ist. Auf jeden Fall kommen die zwei längeren Positionierblöcke (die von 30 mm) an die Seite der Hauptplatine.

Legen Sie den Raspberry Pi so gut wie möglich auf die unterste Platte. Dies ist die Platte, wo die Senkschrauben hinkommen. Die Schutzfolie sollten Sie bereits entfernt haben. Jetzt müssen Sie ein wenig puzzeln, um die beste Position der Positionierblöcke zu finden, so dass alle Anschlüsse frei bleiben. Sobald Sie die richtige Position gefunden haben, können Sie die Positionierblöcke verkleben. Tragen Sie für diese Arbeit Gummi- oder Kunststoffhandschuhe, und sorgen Sie für eine gute Ventilation im Raum. Entfernen Sie die restliche Schutzfolie (und das Malerklebeband) am Acrylglas. Bevor Sie die Tube Acrifix® – Acrylglasklebstoff öffnen, sollten Sie wissen, dass Acrifix sehr dünnflüssig ist, also probieren Sie bitte, beim Öffnen so wenig wie möglich Druck auf die Tube auszuüben.

Anschließend bringen Sie auf dem ersten Positionierblock eine dünne Schicht Acrifix an (auf einem langen Positionierblock, der an die Seite des Raspberry kommt), und kleben Sie ihn an die gewünschte Stelle. Wiederholen Sie dies mit dem kleinen Positionierblock, der an die kurze Seite des Raspberry kommt. Nun warten Sie 20 Minuten lang bis der Acrifix – Klebstoff ausgehärtet ist, und dann sind beide Positionierblöcke unlösbar miteinander verbunden. Auf die gleiche Weise verkleben Sie die anderen zwei Positionierblöcke.

7. Schritt: Aufbauen und vollenden

Zum Schluss bauen Sie den Raspberry Case zusammen. Von unten her platzieren Sie die vier M4 Schrauben. Verwenden Sie hierfür keine Senkschrauben. Legen Sie dann unter jeden Schraubkopf eine Unterlegscheibe. Die untere Seite mit den vier Schrauben legen Sie auf den Werktisch. Nun schieben Sie die vier Distanzbüchsen über die Schrauben, und platzieren Sie den Raspberry zwischen die Positionierblöcke. Nun legen Sie die obere Seite darauf. Platzieren Sie die vier Unterlegscheiben auf die Schrauben, und drehen Sie die vier Muttern handfest an. Drehen Sie Muttern nicht all zu fest an, sonst könnte das Acrylglas rundum das Bohrloch einreißen. Als Letztes kleben Sie die vier Gummi- / Silikon- Kappen, die als Füßchen dienen, an die untere Seite. Hiermit steht das Gehäuse stabil auf jedem Untergrund.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Raspberry Pi Gehäuse selber bauen sowie einen dauerhaften Schutz Ihres Mini – Computers!