Kunststoffe polieren

Kunststoffplatten haben viele Vorteile im Vergleich zu natürlichen Materialien, wie z.B. Glas oder Keramik. Sie sind stärker, einfacher zu bearbeiten und viel schlagfester. Allerdings sind sie auch kratzempfindlicher als Glas. Bei intensivem Gebrauch entstehen leichte Kratzer, welche die Oberfläche auf die Dauer matt machen können. Glücklicherweise kann man diese Kratzer auf einfache Art und Weise entfernen, indem man die Oberfläche poliert. Innerhalb kürzester Zeit sieht das Plattenmaterial wieder aus wie neu. In diesem Artikel erklären wir Ihnen genau, wie Sie am besten Kunststoffe polieren können.

Unterschiede zwischen Acrylglas und Polycarbonat

Acrylglas und Polycarbonat sind die meistverwendeten Kunststoffe, die als Verkleidungsmaterial eingesetzt werden. Acrylglas, besser bekannt unter dem Namen Plexiglas, ist kratzempfindlicher als Polycarbonat. Es ist wichtig zu wissen, dass es zwei Sorten Plexiglas gibt: die extrudierte und die gegossene Form. Extrudiertes Plexiglas wird unter Druck geformt und weist deshalb viele innere Materialspannungen auf. Diese Spannungen werden während der Bearbeitung frei: Extrudiertes Plexiglas reißt schnell und ist wärmeempfindlich. Diese Plexiglas Form ist schwieriger maschinell zu polieren, weil das Material durch die Reibung des Polierens und die daraus entstehende Wärmeentwicklung zähflüssig werden kann.

Gegossenes Plexiglas und Polycarbonat hingegen reagieren nicht so anfällig auf Wärme, aber es ist trotzdem wichtig, die Wärmeentwicklung während des Polierens gut im Auge zu behalten. Dies gilt insbesondere beim maschinellen Polieren mit einer Polierscheibe.

Oberfläche polieren – Leichte und tiefe Kratzer entfernen

Leichte Kratzer im Plattenmaterial können Sie auf einfache Weise wegpolieren mit einem weichen Baumwolltuch und einem Poliermittel. Verwenden Sie immer ein feines Poliermittel wie z.B. Xerapol. Eine Politur für Autolack ist ebenfalls geeignet, und sogar Zahnpasta kann sich notfalls als nützlich erweisen. Befeuchten Sie das Tuch leicht, und formen Sie einen Bausch, den Sie zwischen Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger festhalten. Bringen Sie nun eine kleine Menge Poliermittel auf dem Tuch an, und machen Sie kreisende Bewegungen über die Plattenoberfläche. Sorgen Sie dafür, dass Sie eine etwas größere Oberfläche polieren, also nicht nur die Kratzer selber. Auf diese Weise bringen Sie einen schönen Übergang zwischen der behandelten und unbehandelten Oberfläche zustande. Lassen Sie die Oberfläche nach dem Polieren einen Moment trocknen, und wischen Sie sie anschließend mit einem Mikrofasertuch ab. Tipp: Behandeln Sie die Oberfläche mit dem pflegenden Spezialreiniger Burnus Antistatischer Kunststoff – Reiniger, dann bleibt die Oberfläche länger schön.

Tiefe Kratzer erfordern eine Vorbearbeitung mit Schmirgelpapier. Schmirgeln Sie den Kratzer flach mit der Körnung 200, dann schmirgeln Sie ein etwas größeres Gebiet mit der Körnung 400 und anschließend mit Körnung 800. Danach können Sie die Oberfläche polieren auf die gleiche Art und Weise, wie oben beschrieben.

Sie können die ganze Oberfläche mit einer Polierscheibe für die Bohr- oder Poliermaschine behandeln. Nehmen Sie immer eine weiche (wollene) Scheibe, und fangen Sie mit einer niedrigen Drehzahl an. Das Poliermittel bringen Sie auf das Plattenmaterial an, wie bei einem Auto, das eingewachst wird. Anschließend polieren Sie die Oberfläche mit der Maschine; üben Sie aber nicht zu viel Druck aus, die Maschine soll die Arbeit übernehmen. Wenn die ganze Oberfläche poliert ist, wiederholen Sie diesen Vorgang abermals mit der Poliermaschine, diesmal mit mittlerer Geschwindigkeit und mit minimalem Druck.

Ränder polieren

Eine maschinelle Bearbeitung hinterlässt immer Bearbeitungsspuren am Rand. Solche Spuren beziehungsweise Rillen bleiben nach dem Sägen oder Fräsen des Plattenmaterials zurück. Sie können die Ränder der Kunststoffplatten polieren, so dass sie wieder glatt und plan werden. Bei Sägespuren beginnen Sie mit der Körnung 80 zu schmirgeln. Damit schmirgeln Sie die tiefsten Rillen ab. Dann schleifen Sie die Ränder mit der Körnung 200, 400 und 800 weg. Am Schluss polieren Sie die Ränder mit einer Schwabbelscheibe in der Bohrmaschine. Verwenden Sie am besten Xerapol oder ein gleichwertiges Poliermittel. Tragen Sie das Poliermittel an der Schwabbelscheibe auf, und verteilen Sie es mit einer niedrigen Drehzahl über den Rand der Platte. Fangen Sie mit einer niedrigen Drehzahl an, und kontrollieren Sie fortwährend den Effekt. Üben Sie nicht zu viel Druck aus. Zu viel Druck beschädigt die Schwabbelscheibe und führt zu einer zusätzlichen Wärmeentwicklung. Innerhalb kürzester Zeit sind die Ränder wieder spiegelblank.

Plexiglas – Ränder flammpolieren

Die Ränder von Plexiglas können Sie auch mit einem Brenner polieren. Es ist dabei wichtig, dass Sie die Ränder zuerst nach den obengenannten Anweisungen schleifen. Für das Flammpolieren verwenden Sie am besten einen Propanbrenner; ein Butanbrenner ist dafür ungeeignet. Der Brenner sollte an der Spitze einstellbar sein, denn das Flammpolieren gelingt nur, wenn der innere Flammenkegel geformt werden kann. Dieser Kegel hat eine spitz zulaufende Flammenform und sieht aus wie ein Bleistift. Zünden Sie den Brenner an, und bewegen Sie die Flamme zügig entlang dem Rand. Seien Sie vorsichtig, denn der Kegel darf den Rand nicht berühren, sonst schmilzt der Rand und wird das Material allzu flüssig. Behalten Sie den Rand während des Flammpolierens gut im Auge, denn durch die Wärme wird die Oberfläche leicht schmelzen und zufließen. Wir empfehlen Ihnen, das Flammpolieren zuerst an einem Reststück auszuprobieren.

Auf die obengenannten verschiedenen Weisen wird Ihnen das Kunststoff polieren leicht gemacht!

Erforderliches

  • Schmirgelpapier mit verschiedenen Körnungen (80, 200, 400, 800)
  • Schwabbelscheibe für die Bohrmaschine
  • Weiche Polierscheibe für die Bohr- oder Poliermaschine
  • Bohrmaschine / Poliermaschine mit variabler Drehzahl
  • Polierpaste für Kunststoffe (Xerapol)
  • Propanbrenner